02.11.2002 | 2 Meter lange Python hat sich ‚auf die Socken gemacht‘

SAUGGART (vf) – Bereits am 14. Oktober hat sich eine etwa sieben Jahre alt und zwei Meter lange Teppich Python in einem Haus hier „auf die Socken gemacht” und blieb bisher verschwunden.

Weil das Kriechtier zwar nicht beißt, aber vielleicht doch würgen kann, haben Polizei und Ortsvorsteher auf die mögliche Gefahr per Flugblatt im Dorf hingewiesen. Groß dürfte die Gefahr nicht sein, weil die Schlangenart, die in Australien beheimatet ist; bei der derzeitigen Außentemperatur recht faul wird, sogar in eine Art Winterstarre verfällt und sogar Python hat sogar eingehen kann. Nun sind normale Sauggarter nicht sehr mit Pythonschlangen vertraut, insofern machen sich doch einige Bürger im Ort Sorge. Vor allem an Kinder wird dabei gedacht. Oder auch daran, dass die Schlange vielleicht schon längst in einem Keller Zuflucht und Wärme gesucht hat und eines Tages jemand beim Betreten der Vorratsräume einen herben Schreck kriegt, wenn sich da Frau oder Herr Python zwischen Marmeladegläsern oder Kartoffelsäcken räkelt.

Im Dorf sind verschiedene Bürger nicht gerade erbaut, dass die Bevölkerung relativ langsam unterrichtet wurde. Das liebe Tierlein hat sich ,auf die Socken gemacht‘ bereits am 14. Oktober –  eine Warnung ging aber erst am 17. raus.

Wie kommt ein solch eigentlich australisches Lebewesen ins stille oberschwäbische Sauggart??

Mitgebracht hat sie ein Mann, der vor etwa sechs Wochen nach Sauggart zuzog und in einem älteren Häusle wohnt und in Sigmaringen berufstätig ist. Die Teppichpython scheint nicht sein einziger Haus-Mitbewohner zu sein. Und da Pythons ihre eigenen Nahrungsgewohnheiten haben; wird im Dorf verbreitet, der gute Mann züchte kleine Nagetiere als Python-Nahrung. Zum Vorwurf „mangelnde Information” zählt auch, dass die Verselbständigung des Tierleins nur dadurch bekannt wurde, dass ein Nachbar den Schlangen-Eigentümer bei Nach mit einer Taschenlampe in seinem Garten nach dem Tier suchen sah. Da die Schlange tausend Euro Wert ist, bedeutet ihre Verselbständigung einen materiellen Verlust.

Im Flugblatt der Gemeinde heißt es: „Wer die Schlange gesehen hat, sollte sich unbedingt sofort bei Ortsvorsteher Locher, Tel. 07374/1657, oder bei der Gemeindeverwaltung Littenweiler melden.” Vf fragt: Warum hat man nicht die Telefonnummer des Eigentümers genannt?

16.10.2002 | Kaminkehrerstreit Verwaltungsrichter schmettert Klage eines Ehingers ab

SIGMARINGEN / EHINGEN. Kürzlich wurde der „Kaminkehrerstreit” „Wilhelm Rettenberger, Ehingen, gegen das Land Baden-Württemberg” vor dem Verwaltungsgericht verhandelt. Jetzt wurde dem Kläger das Urteil der 7. Kammer unter dem versitzenden Richter Armbruster zugestellt.

Wie von der Ehinger SZ vor längerem berichtet, hatte der Kläger dem zuständigen Ehinger Bezirksschornsteinfegermeister den Zutritt zu seiner Heizanlage verweigert. Damals, Anfang 2000, bat er das Landratsamt Alb-Donau-Kreis als Aufsichtsbehörde, ihm einen anderen Kehrer zuzuteilen, da der Kehrmeister unkorrekt arbeite, falsch abrechne und aus persönlichen Gründen bei ihm Hausverbot habe. – Der zuständige Aufsichtsbeamte im Landratsamt wies auf das durch den Gesetzgeber abgesicherte Bezirksmonopol der Kaminkehrer hin und lehnte den Wunsch des Ehinger Bürgers ab. Gleichzeitig verfügte das Landratsamt, dass genau diesem Kehrer Zutritt gewährt werden muss, und verband die Duldungsverfügung mit einer Bearbeitungsgebühr von 100 Mark.

In dieser Situation ließ der Kläger seine Heizung modernisieren. Die gesetzlich vorgeschriebene Abnahme durch den Bezirksschornsteinfeger stand bevor.

Um seine Vorwürfe abzuklären und um der Behörde zu zeigen, dass er Überprüfungsarbeiten durch Kaminkehrer nicht grundsätzlich ablehne, gestattete er dem Kehrer, nur in Begleitung eines Aufsichtsbeamten bei ihm tätig zu werden. Zuvor wollte er jedoch von offizieller Seite die Kosten für die Abnahme mitgeteilt bekommen.

In Gegenwart des Aufsichtsbeamten wurde dem Kläger bei der Abnahme eine um mindestens 100 Mark überteuerte Rechnung ausgehändigt. Auf der Rechnung waren einige Einzelposten aufgeführt, die sich normalerweise gegenseitig ausschließen. Daraufhin hielt der Kläger seinen Widerspruch gegen die Verfügung aufrecht, die vom Regierungspräsidium, verbunden mit einer Bearbeitungsgebühr von DM 150 Mark, für rechtens erklärt wurde. Nun strengte W. Rettenberger eine Klage beim Verwaltungsgericht an.

Bei der mündlichen Verhandlung bestritten auch die Richter den zwischenzeitlich eindeutig belegten Vorwurf der Falschabrechnung des Kehrers nicht. Ebenso wenig bestritten sie die fehlende Kontrolle durch den Aufsichtsbeamten. „Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er keine Kehr- und Überprüfungsordnung zur Hand hatte”. Nach Ansicht des Gerichts reicht aber eine einmalig beweisbare Falschabrechnung des Kaminkehrers nicht aus, um ihn dem Kläger gegenüber für befangen zu erklären. „Oft genug würden Prozessbeteiligte mit völlig abwegigen Vorwürfen wie z.B. dem Vorwurf des Alkoholismus versuchen, ihn, Richter Armbruster, für befangen zu erklären. Außerdem habe er selbst auch schon mal einen falschen Müllgebührenbescheid bekommen. Deswegen sei er nicht gleich vor Gericht gegangen”. Im schriftlichen Urteil der 7. Kammer des Verwaltungsgerüchts Sigmaringen wurde die Klage gegen das Land abgewiesen. Der Kläger ist verpflichtet, den zuständigen Kaminkehrer einzulassen, er hat sowohl die Bearbeitungsgebühren der Aufsichtsbehörden als auch die Gerichtskosten zu tragen. Revision gegen das Urteil ist (ohne Begründung) nicht zugelassen.

Weil die Richter „keine genügenden Anhaltspunkte für die Bedeutung der Sache für den Kläger” sahen, setzten sie den Streitwert auf immerhin 4.000 Euro fest.

Der Ehinger Kläger will sich von diesem Urteil nicht entmutigen lassen. Sein Sohn, Dr. rer. nat. Michael Rettenberger, hat in derselben Angelegenheit zu Jahresbeginn eine Petition beim Landtag eingereicht. Nach seiner Ansicht passen Monopole, wie das der Bezirksschornsteinfeger, nicht mehr in unsere Zeit. Insbesondere, wenn die Kontrolle der Monopolisten, wie in diesem Fall, nicht greift.

Notfalls möchte W. Rettenberger bis zum höchsten Gericht nach Karlsruhe gehen, um einen Handwerker, den er als Betrüger empfindet, nicht mehr in sein Haus einlassen zu müssen.Anmerkung vf: Auch Zeitungsmacher Veit Feger findet die derzeitigen gesetzlichen Vorschriften im Bereich des Kaminkehres einen Hohn auf die Bürger. Zum einen der Ausschluss von Konkurrenz, zum anderen, dass Prüfungsvorschriften (und entsprechend hohe Kosten) auch für praktisch abgasfreie Verbrennungsverfahren gelten. Bürger lassen umweltfreundliche Heizungsarten mit teurem Geld einbauen, müssen aber nach wie vor die gleich teuren Abluftprüfungen wie zu Zeiten von Kohle und Öl durchführen lassen und blechen. Eine Änderung dieses Zustandes wäre längst angesagt und eine schöne Aufgabe-auch für die Abgeordneten aus unserem Wahlkreis.

21.09.2002 | Mundart-Hörspiel über den Malefiz-Schenk

OBERDISCHINGEN / TÜBINGEN (vf) – Am 28. September sendet der SWR 4 ein Mundarthörspiel über den Malefizschenken: „Hurra, wir bauen ein Zuchthaus“. Verfasser ist die aus Kirchheim / Teck stammende, in Tübingen wohnende Dorothea Keuler. Das Hörspiel dauert 45 Minuten, wird jetzt zum ersten Mal gesendet und wurde vom SWR mit dem dritten Platz bei einem Hörspiel-Wettbewerb bedacht.

Der Ehinger SZ-Mitarbeiter vf unterhielt sich mit der Autorin. Die ist 51 Jahre alt, hat Neuere Deutsche Literatur studiert, mit dem „Magister“ abgeschlossen und arbeitet als Freie Journalistin vor allem für den Rundfunk. Auch einen Roman hat sie bereits veröffentlicht, im Jahr 1998: „Die wahre Geschichte der Effi B.“ (gemeint ist die berühmte Fontanesche Roman-Figur Effi Briest).

Auf das Thema“ „Malefizschenk“ stieß die Autorin eher zufällig. Sie war daran (und ist es vielleicht noch), einen Roman über das oder aus dem Gaunermilieu zu schreiben; dabei kam sie auf den berühmten Gauner-Verfolger aus Oberdischingen. Sie befasste sich näher mit dem Thema, verfasste für den Funk einen locker formulierten Sendungstext, bereits mit schwäbischen Einsprengseln, zu hören im Jahr 1999. Damals schon hatte sie auch Kontakt mit dem Oberdischinger Heimatgeschichtsforscher Rudolf Sautter und ließ sich von ihm vor Ort einiges über den Malefizschenken und seine Gauner erzählen. Im vergangenen Jahr schrieb sie nun das Hörspiel zu dem Thema – ihr erstes – und gleich einen Preis bei einem Wettbewerb! – „das ist doch was“, meint unsere Gesprächspartnerin freundlich

Das Hörspiel weist einen hochdeutsch sprechenden Erzähler auf; die anderen Sprecher (Walter Schultheiß, Monika Hirschle, Franz Xaver Ott, Herbert Teschner u.a.) schwätzen schwäbisch. – vf meint: Ob das nun gerade Schwäbisch aus Oberdischingen ist, spielt keine große Rolle, schließlich suchte sich der gräfliche Kriminalist seine Leute weitum zusammen, bis im Badischen und in der Schweiz. Man kann natürlich annehmen, dass die in der Sendung hörbaren Schwaben, vom Süddeutschen Rundfunk engagiert, schon eher Stuttgarter oder Tübinger Honoratiorenschwäbisch reden. Wir sind gespannt.

Regie führte bei der „Inszenierung“ des Hörspiels die Regisseurin und Komponistin Susanne Hinkelbein. Zum Inhalt heißt es seitens des SWR so etwa: Für den zukünftigen Grafen Franz ist es eine Qual, eine vornehm gepuderte Perücke tragen zu müssen. Vor allem, weil er dafür von den bürgerlichen Kindern gehänselt wird. Sie nennen ihn sogar „Lackaffe“ – dabei würde er doch so gerne mit ihnen am Bach spielen! – Franz wird groß, nun scheint die Zeit der Rache gekommen: Franz lässt ein Zuchthaus bauen, in dem alle Beutelschneider, Vaganten und andere üblen Gesellen büßen sollen. Doch leider gehören dazu auch ausnehmend schöne Gaunerinnen, wie die schwarze Lies… Der Graf ist vom Verfolgungseifer besessen und bekommt das selbst am bittersten zu spüren.“ Bekanntlich ist der Malefizschenk bereits mehrfach zum Gegenstand dichterischer Phantasie gemacht worden.

21.09.2002 | Grabstein aus dem einstigen Familiengrab gerettet

OBERDISCHINGEN (vf) – Der von hier stammende Karl Ott, heute in Metzingen lebend, hat der Gemeinde ein besonderes Geschenk gemacht, eine Grabplatte aus dem 1976 abgebrochenen Familiengrab der Familie Kaulla, einst hier Schloss- und Schlossgutbesitzer.  – Die Kaullas hatten in der Mitte des 19. Jahrhunderts von einem Sohn des Malefizschenken das Gut Oberdischingen gekauft und es bis zum Jahr 1900 in Besitz, dann wurde es an die Oberkirchberger Grafenfamilie Fugger verkauft.

Die Grabplatte, die aus dem einstigen stattlichen, aber baufällig gewordenen Familiengrab stammt, trägt die Inschrift: Der Vater Friedrich Kaulla, Rittergutsbesitzer, Ritter des königlich württembergischen Kronordens, des königlich preußischen Kronordens, des königlich württembergischen Olga-Ordens, Inhaber der Kriegsgedenkmünze für Nichtkombattanten (d. h.: Nichtkämpfer) und der silbernen Jubiläumsmedaille – 1807 – 1895. – Auch als Nichtkämpfer konnte jemand ausgezeichnet werden, etwa, indem er sich um die lazarettmäßige Versorgung von Soldaten kümmerte. Friedrich Kaulla war ein Abkömmling einer bedeutenden jüdischen Bankiersfamilie aus Hechingen. Berühmteste Vertreterin war eine Frau, Chaile, deren Namen dann zu Kaulla umgewandelt wurde und die im Zusammenhang mit den napoleonischen Kriegen und ihrer Finanzierstätigkeit für den Großherzog und dann König von Württemberg zu weiterem Reichtum und ihre Nachfahren auch zu Adel kamen.

Grabstein, in Metzingen gerettet, jetzt wieder in Oberdischingen.

31.08.2002 | Computer-Wettkämpfe in der Alten Schule

NASGENSTADT (vf) – Von gestern, 12 Uhr, bis morgen, Sonntag, 18 Uhr, läuft in der alten Schule des Orts eine sogenannte LAN-Party oder Netzwerk-Session. Veranstalter ist der örtliche Computer-Club. – Beteiligt sind etwa dreißig junge Leute. So genau lässt sich die Zahl nicht bestimmen, weit jemand zwischendrin hinzustoßen oder einer sich auch vorzeitig verabschieden kann.

Sämtliche Teilnehmer bringen je einen vollständigen Computer mit (also Bildschirm, Rechner, Tastatur, eventuell auch noch zusätzliche Kabel). Der Computerclub verfügt über bestimmte Geräte („Switches“) und Kabel, mit denen die Geräte vernetzt werden. So können dann jeweils Gruppen gegeneinander antreten. Gespielt wird vorzugsweise das Computer-Spiel „Counter Strike“ in seiner erlaubten deutschen Version. Counter Strike gibt es seit etwa drei Jahren, so Oliver Ströbele vom Computerclub Nasgenstadt (CCN). Meist bleibt ein neues Spiel ein halbes oder ein Jahr „trendy“ und wird dann durch ein neues Spiel abgelöst. „Counter Strike“ hat eine unter   Computerspiel-Fans bisher erstaunlich lange Lebensdauer, weil es spannend ist und unter anderem auch Team-Arbeit erlaubt, ja fordert. Wie viele andere Computerspiele ist es ein Kampfspiel, in dem verfeindete Gruppen (Terroristen und AntiTerroristen) gegeneinander antreten. „Einer allein hat in diesem Spiel gar keine Chance,“ meint Oliver Ströbele. Üblich sind Spiel- oder Kampf-Teams von etwa sieben Leuten.

Am gestrigen Abend wurde bis Mitternacht   gespielt,   dann war Schluss, weil das Spiel öfters Begeisterungsausbrüche auslöst, weil der Raum  über dem „Kampfplatz“ bewohnt ist und der Bewohnerin Nachtruhe möglich sein soll. Bis auf einige Bewacher gehen die Teilnehmer zum Schlafen nach Hause. Am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag geht es je um 9.30 Uhr weiter. Schluss ist am Sonntag um 18 Uhr.

Selbst begeisterte Spieler werden zwischendurch mal hungrig. Die Teilnehmer bringen ihre Verpflegung mit, in der Küche der Alten Schule dürfen sie ihre mitgebrachte Pizza aufwärmen lassen. Fürs In den-OfenSchieben sind einige Party-Teilnehmer vorgesehen, dies deshalb, damit auch in der Küche alles seinen geregelten Gang geht und am Schluss der „Party“ nicht viel aufzuräumen ist.

Das beliebte Spiel „Counter Strike“ gibt es in verschiedenen Versionen. Die amerikanische, drastischere Version ist in Deutschland vom Jugendschutzgesetz verboten. Computer-Kampfspiele sind nach dem Erfurter Amoklauf mehr als bisher in Verruf geraten, weil der dortige Massen-Erschießer solche Spiele spielte. Die vom Gesetzgeber verbotenen Spiele sind auch in der Nasgenstadter Schule untersagt. Wer sich schriftlich anmeldet, muss erklären, dass er sich an diese Regeln hält; wer unangemeldet hinzukommt (was in gewissem Umfang möglich ist), wird auf die Vorschriften hingewiesen. Es kam schon mal vor bei früheren solchen „Partys“, dass Mitglieder der Vorstandschaft auf die Einhaltung der staatlichen Vorschriften dringen mussten.

Zusammenspiel auch im Internet

Welche Bedeutung Computer-Spielen vor allem bei jungen Leuten heute zukommt (und wovon sich Gruftys der Verfasser dieses Berichts, bisher wohl nur einen unzureichenden Begriff machten), das ergibt sich aus folgender Beobachtung, die uns Oliver Ströbele nennt: Ständig spielt etwa eine halbe Million Menschen weltweit per Internet „Counter Strike“ miteinander, ebenfalls je in Gruppen. Das Internet ermöglicht solche Formen von Zusammen-Spiel.

Die vorbereitenden Arbeiten für das Turnier in Nasgenstadt gestern Vormittag dauerten etwa anderthalb Stunden. Diese Arbeit bestand vor allem im Aufstellen von Tischen und Stühlen; ab 12 Uhr trudelten dann die Teilnehmer ein, stellten ihre PCs auf und sind dann recht rasch im Spiel.

Die Wochenzeitung „ZEIT“ hat am 1. August einen ganzseitigen begeisterten Bericht über die neuen LAN-Parties veröffentlicht, mit zahlreichen Aussagen, die sich mit denen unseres Nasgenstadter Gewährsmanns decken. Zum Vorwurf, Counterstrike fördere Gewalt, meinen in dem ZEIT-Text Computer-Fans: „In jeder Disco und bei jedem Fußballspiel gibt es mehr Schlägereien als bei einer LAN-Party. Das Schlimmste, was hier passiert ist eine Rempelei, wenn einer dem Computer eines anderen zu nahe kommt. Wie bei anderen Athleten gilt auch bei den .S-Sportlern’: .Keine Macht den Drogen’. Denn Alkohol oder „Gras“ senken die Reaktionsgeschwindigkeit

Wahlkandidatin kündigte sich an Besonderheit diesmal: SPD-Bundestagskandidatin Hilde Mattheis wollte gestern Abend vorbeischauen und sich mit einigen Teilnehmern über die Problematik von Spielen wie Counter Strike unterhalten. Die SZ wird berichten.

Netzwerk-Spieler gestern Nachmittag in der alten Nasgenstadter Schule. – Foto: Oppermann

30.08.2002 | Nachruf auf den einstigen Traubenwirt und HotelierDas letzte von sechs Geschwistern ist gestorben

FRANKFURT / EHINGEN (vf) – Am Montag starb in Frankfurt im Haus seines gleichnamigen Sohnes Willy Steinle, früherer Ehinger „Traube”-Hotelier. Er war der letzte von sechs Geschwistern, die alle jünger waren als er, aber früher starben.

Willy Steinle ist weit in der Welt herumgekommen; diese Beweglichkeit hat sich an seine drei Söhne weitervererbt: Einer von ihnen lebt in Frankfurt, einer in Montreal/Kanada, einer in Stuart/Florida. Willy Steinle selbst erblickte das Licht der Welt vor bald 95 Jahren in der pakistanischen Großstadt Quetta, das damals zum britischen Weltreich gehörte. In der Folge des ersten Weltkriegs musste die Familie in die deutsche Heimat zurückkehren und kam in den zwanziger Jahren auf den Ehinger Gasthof „Traube”. Willy Steinle führte das Hotel vor allem in der Zeit, nach dem Zweiten Weltkrieg, bis in die Mitte der 1960er Jahre [1966]. Damals sollte das Hotel renoviert werden. Weil das Gemäuer aber zu altersschwach war, wurde es abgebrochen und an seiner Stelle von der Einkaufsgenossenschaft Konsum/Coop ein neues Gebäude hochgezogen, in dem Willy Steinle und seine Frau noch einige Jahre ein Hotel Garni führten. Als W. Steinle in den Ruhestand trat, führte seine Nichte Herta Fronwieser das Garni weiter, bis sie infolge eines Jagdunfalls starb.

Willy Steinle verbrachte die ersten Jahre seines Ruhestands mit seiner Frau in einem Haus am (nach der Familie benannten) Steinlesberg. Nach dem Tod der Ehefrau verlegte Willy Steinle vor einem Jahrzehnt seinen Wohnsitz noch einmal: Er fühlte sich wohl bei Kindern und Enkeln: so gut in Florida wie in Montreal, Frankfurt und bei einer Enkelin im Tessin. Die Nichte Erika Reichelt, die in der „Traube” zur Welt kam und heute 62-jährig in Wartmannsroth/Bayern lebt (ihre Mutter führte zeitweilig im Auftrag der Familie Steinle die Zellstoff-Kantine) schildert ihren Onkel als bis zu letzt fröhlichen, mit sich selbst zufriedenen Menschen.

29.08.2002 | Ein Ehinger studiert in Bogota/Kolumbien

BOGOTA / EHINGEN (vf) – Wer im Internet herumsegelt und entsprechend fragt, kriegt auch mal interessante Antworten. Beim Surfen stießen wir auf die .Homepage“ von Sebastian Krieger, derzeit in Bogota / Kolumbien. Der Sohn des Ehinger Oberbürgermeisters stellt sich auf „sebastiankrieger.de„ vor. Er verrät ein bisschen etwas von sich; vor allem aber enthält seine „Site“, wie bei vielen anderen Sites der Fall, eine e-mail-Adresse; wir schickten unsere Fragen an S. Krieger nach Bogota, und erhielten eine freundliche, ausführliche Antwort.

Da es ja noch nicht alltäglich ist, dass ein Ehinger in Bogota studiert, geben wir ein bisschen von dem weiter, was uns S. Krieger antwortete. Seien wir ehrlich: Wir interessierten uns nicht nur für Nachrichten aus einem fernen Ort im fernen Südamerika; das Interesse ist größer, wenn die Nachricht vom Sohn des Ehinger OB kommt. Zunächst ein paar biographische Angaben aus der von Sebastian Krieger selbst gebauten Website. – Krieger wurde 1979 in Sigmaringen geboren. Laut .Homepage“ ist er „in Ehingen, einer kleinen Stadt“ im Südwesten Deutschlands aufgewachsen. Er legte die Abiturprüfung an der Urspringschule ab und erwarb dort zugleich den Gesellenbrief im Schreinerhandwerk. Seit 1999 studiert er Betriebswirtschaftslehre an der Uni Eichstätt-Ingolstadt, seit Januar 2002 an der katholischen Franz-Xaver-Universität in Bogota, Kolumbien.

S. Krieger gibt auf seiner Homepage an, wo er überall bereits Praktika absolvierte. Es klingt gut, wenn einer in diesem Aber schon in Jakarta war und in Johannesburg / Südafrika – in Johannesburg ist die Zentrale des in Ehingen vertretenen Papierkonzerns Sappi und dort schnupperte Krieger Büroluft.

S. Kriegers Selbstdarstellung hat verschiedene „Kapitel“; er macht nicht nur Angaben zur Biographie, sondern benennt uns auch Freunde, Interessen und Abenteuer, die er erlebte („biography, friends, interests, adventures“). Die Freunde: das sind vor allem Mitschüler aus Urspring, aber auch Studienkollegen. Unter seinen „Interessen“ führt S. Krieger unter anderem auf: „Reisen, Bergwandern, Fasnet“, „politische Jugendarbeit bei der Jungen Union und im RCDS“ (einem CDU-nahen Studentenverband), Mitgliedschaft bei einer Junge-Leute-Untergruppierung des Lions-Oubs Ingolstadt, dem „Leo Club llluminaten“ Ingolstadt (vf: dieser „Club“ tragt den Namen der vergleichsweise revolutionärsten Intellektuellen-Vereinigung des 18. Jahrhunderts in Deutschland; ihr Vorsitzender Weishaupt lebte zeitweilig in Ingolstadt).

Vermisst haben wir auf der Interessen-Seite Kriegers einen Hinweis auf das Hobby Angeln, dem S. Krieger im Ehinger Fischereiverein nachging.

Zu den Abenteuern zählt S. Krieger nicht nur das Bergsteigen, sondern auch das Studium in Südamerika. S. Krieger kann aber nicht nur mit Kletterhaken und Sicherungsseil umgehen, er hat immerhin seine Website selbst „gebaut“. Wie viele von uns Grufties können das? Sebastian Krieger ließ sich auf dem Gelände der bogotaischen Jesuiten Universität „Franz Xaver“, an der er studiert, fotografieren und schickte uns per e-mail das Foto zu. Der Weg vom Foto-Platz zum Computer dauert länger als die elektronische Versendung nach Europa.

Nachgefragt

Wir stellten Sebastian Krieger in Bogota einige Fragen. Die Antworten haben wir etwas gekürzt

 SZ: Warum entschieden Sie sich für ein Studium in Kolumbien?

 Sebastian Krieger: Ich interessiere mich für Internationales Management. Etwa sechzig Prozent der Studenten an der Uni Eichstätt/Ingolstadt gehen nach dem Grundstudium zeitweilig an eine ausländische Partnerhochschule, im Bundesdurchschnitt sind es nur zehn Prozent der BWL-Studenten. Unsere Uni unterstützt solche Auslandsstudien. Außer Englisch wollte ich mich in einer anderen Weltsprache fitter machen. Spanisch wird von über 300 Millionen Menschen in 22 Ländern gesprochen Außerdem Lateinamerika ist „Die herzliche Art der Leute ist sagenhaft nach wie vor ein Wachstumsmarkt.

SZ: Ist Kolumbien nicht gefährlich?

Krieger: Das Image im Ausland ist nicht gerade das Beste. Aber andererseits ist Kolumbien eines der am weitesten entwickelten Länder Lateinamerikas. Trotz der politischen Probleme ist die kolumbianische Demokratie eine der ältesten des Kontinents. Das Land verfügt über eine relativ ausgeglichene Außenhandelsbilanz. Im Gegensatz zu anderen Ländern Südamerikas ist es hier bis heute noch nicht zu einer Dollarisierung der Wirtschaft gekommen, und auf absehbare Zeit besteht diese Gefahr auch nicht. Entwicklungen, wie sie heute Argentinien erlebt, sind momentan hier kaum vorstellbar. Ausländische Direktinvestigationen gelten als relativ sicher, und neben amerikanischen Firmen produzieren hier viele namhafte deutsche Firmen. Es gibt eine breite Mittelschicht im Land – eine Seltenheit in Lateinamerika.

SZ: Wie gefährdet ist man in Bogota?

Krieger: Selbst bei Nacht können die meisten Orte sicher mit Bus oder besser noch mit dem Taxi erreicht werden. In Südafrika oder auch Indonesien wird für jeden Meter, der zurück gelegt werden soll, ein Auto benötigt.

SZ: Was gefällt Ihnen an Bogota besonders?

Krieger: Innerhalb kurzer Zeit habe ich hier Freunde gefunden. Die offene, herzliche Art der Kolumbianer ist einfach sagenhaft. Obwohl die Uni weit größer ist als meine bisherige in Deutschland, ist die Atmosphäre viel familiärer; die Professoren sind sehr hilfsbereit. – Die Menschen hier festen und tanzen gern. Der Karneval in Baranquilla an der kolumbianischen Karibikküste gilt als der zweitbeste der Welt. Es bleibt Ihren Lesern überlassen, welches der Beste der Welt ist, der Ehinger Narrensprung oder der Karneval hier. Ich habe es noch keine Minute bereut, hierhergekommen zu sein. Zudem: Die Uni hier ist nicht so sehr auf Wirtschaftsthemen spezialisiert wie die in Eichstätt-Ingolstadt. Die Franz-Xaver-Universität in Bogota wird von Jesuiten getragen; viele Dozenten hier haben an der Jesuiten-Hochschule Pullach bei München studiert und kennen sich in deutscher Philosophie und Literatur aus.

SZ: Was machen Sie außer studieren?

Krieger: Ich habe mich etwas im Land umgesehen und bin auch auf den Nevado del Tolima gestiegen (5215 Meter). Leider sind nicht alle Teile des sehr schönen Landes zu bereisen. Doch die Hoffnung bleibt, dass sich diese Situation bald zum Positiven ändert. Damit Kolumbien der Welt zeigen kann, welche Schätze es hier hat.

SZ: Wie lange bleiben Sie? Krieger: Ende November endet das Semester; es rufen die Hörsäle in Ingolstadt

27.08.2002 | Ärztin und ,Patienten‘ vor der Fernsehkamera

ROTTENACKER / EHINGEN (vf) Seit vergangenem Jahr arbeitet die in Ehingen geborene Ärztin Dr. Verena Breitenbach in einer Praxis in Rottenacker, Ab Herbst 2002 soll sie sich in einer Sendereihe von „ProSieben“ mit Erkrankungen befassen. Die Sendung wird täglich eine Stunde lang (einschließlich einer Viertelstunde Werbung) ausgestrahlt.

Zunächst ist ein halbes Jahr Sendeperiode für dieses neue „Format“ vorgesehen. Ob die Serie danach fortgesetzt wird, hängt davon ab, ob die Sendung Anklang findet. „Quote“ lautet bekanntlich heute die bei den Fernsehsendern fast alles entscheidende Vokabel, seien es nun „private“ Sendeanstalten oder „öffentlich-rechtliche“. Erster Sendetermin ist der 14. Oktober, 16 Uhr. „Die Personal Help Show“ (so die hauseigene Bezeichnung der Serie) soll die Nachmittagsserie „Clip Mix“ ablösen; die brachte nicht die erwünschten Marktanteile.

Verena Breitenbach erhält viel Unterstützung für die neue Serie: Sie ist sicher die sichtbarste Person der Serie, aber nur eine unter vielen dabei beschäftigten Personen.

Der Serie ist ein ProSieben-eigenes zwanzigköpfiges Redaktions- und Regisseur-Team zugeteilt. Die Redakteure schreiben die Texte für Doktor Breitenbach und für die jeweils zwei „Patienten“, die in der Sendung erscheinen. Die Patienten werden von Schauspielern gemimt; auf diese Weise sollen die wirklichen Patienten vor zuviel zudringlicher Öffentlichkeit geschützt werden. Den Inhalten der Sendungen liegen anonymisierte Erfahrungsberichte aus Arztpraxen zugrunde.

Während der Sendung können die Zuschauer Fragen an den Sender richten; sie können aber nicht während der Sendung die Ärztin befragen, weil die Sendungen auf Halde gedreht und nicht live gesendet werden.

Der Sendetyp „Personal Help Show“ ist in Deutschland neu. Ob er in Amerika schon eingeführt ist (wie das bei vielen anderen Fernseh „Formaten“ der Fall war), konnte uns Verena Breitenbach nicht sagen.

Inhaltlich bedeutsam an der Sendung ist sicher, dass Krankheiten nicht nur als ausschließlich körperliche Vorgänge gedeutet werden; dass also auch.die psychosomatische Seite von Krankheiten ins Blickfeld gerückt wird. Verena Breitenbach hat in München u. a. eine besondere Ausbildung in diesem Bereich absolviert. – Dass sie als „Hauptdarstellerin“ und Fachärztin für die neue Sendereihe ausgewählt wurde, verdankt sich dem Umstand, dass V. Breitenbach bereits mehrfach in Fernsehsendungen als Beraterin mitwirkte (die SZ berichtete). Weil die Sendereihe von einem so umfangreichen Team erarbeitet wird, kann V. Breitenbach auch weiterhin ihre ärztliche Tätigkeit in Rottenacker ausüben; wenn sie ins Studio nach Unterföhring bei München muss, wird sie in Rottenacker durch einen anderen Arzt vertreten. Sein. Im Studio in Unterföhring wird es dann leicht ein Zwölf-Stunden-Tag werden, vermutet sie. Für die Serie sind nicht nur ärztliche Kenntnisse nötigt, sondern vor allem darstellerische. Schon jetzt kümmert sich ein sogenannter Sprachtrainer um die möglichst fernseh-gerechte Aussprache der Ärztin. Obwohl Verena Breitenbach einerseits viele vorgefertigte Texte sprechen soll, muss sie doch versuchen, „authentisch“, „echt“, unverlogen, zu wirken. Dass sie das schafft, glaubt man ihr gern, wenn man sich mit ihr unterhält.

25.08.2002 | Dietelhofener Bauernhaus“, Kirchbierlinger Hanfaufbereiter

KIRCHBIERLINGEN / DIETELHOFEN / ULM (vf) – Bis Ende September ist im Ulmer „Donauschwäbischen Zentralmuseum“ eine Ausstellung zu sehen, in der ein Bauernhaus und seine Bewohner in Dietelhofen am westlichen Ende des Altkreises Ehingen „ins Bild“ gerückt werden. – Das vor zwei Jahren eröffnete Museum weist auch einen Bezug zu Kirchbierlingen auf, genauer: zu dem dort früher als Hanfanbauer und -aufbereiter tätigen Martin Butter.

Viele Details des noch jungen Museums betreffen das tägliche Leben der aus Süddeutschland und den Anrainerländern im 18. und 19. Jahrhundert in die „Donauländer“ ausgewanderten Menschen. Die derzeitige Sonderausstellung befasst sich mit einem Aspekt des Alltagslebens, mit dem „Wohnhaus“ und dem „Wohnen“ in Ländern an der Donau.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit von Museen in vier Ländern. Mitarbeiter dieser Museen suchten jeweils unter dem Aspekt der donauländischen Aus- und Rückwanderung bemerkenswerte Gebäude aus, die in der Ausstellung (teils mit ihren Bewohnern) dokumentiert werden. Das Auswanderungs- und Rückkehrland Deutschland wird durch drei Häuser vergegenwärtigt, Häuser in Dornstadt, Waiblingen und Dietelhofen. In den beiden erstgenannten Orten wohnen in den vorgestellten Häusern Menschen, die „zurückgetrieben“ wurden oder „zurückgewandert“ sind. Das Haus Hauler in Dietelhofen steht stellvertretend für die Heimat der einstigen Auswanderer.

Museumsmitarbeiterin Henrike Hampel MA wusste, dass sich in einem der donauschwäbischen Ansiedlungsorte, in der Nähe des großen „Donauknies“ bei Fünfkirchen / Belgrad, eine Muttergottesstatue befand, die nach dem Modell der Muttergottes auf dem Bussen geschnitzt worden war. Sie war von einer Frau aus Dietelhofen bei der Auswanderung im 18. Jahrhundert mit in die neue Heimat genommen worden.

Der Hof, von dem die 1726 auswandernde Anna Maria Hall stammte, existiert noch; er gehört noch immer einer Familie, die mit der Auswanderin verwandt ist. Henrike Hampel nahm mit den Bewohnern Kontakt auf, insbesondere mit Theresia Hauler, und erhielt die Erlaubnis, dass ein von „ihrem“ Museum beauftragter Fotograf die Räume des Wohnhauses für die Ulmer Ausstellung im Bild festhalten durfte.

Bäuerliche Familien leben heute im Oberschwäbischen oft noch (einkommensbedingt) sehr bescheiden; und so ähneln solche Wohnungen in ihrer Bescheidenheit manchmal denen, wie sie die Nachkommen von Ausgewanderten im Drei-Länder-Raum Ungarn/Jugoslawien und Rumänien heute bewohnen.

Eine ungewöhnliche Geschichte im Zusammenhang mit der Ausstellung soll hier erwähnt werden. Der Beitrag der Stadt Novi Sad (Neusatz) im heutigen Serbien betrifft ein von einstigen Donauschwaben bewohntes herrschaftliches Haus, einst einer Familie Menrath gehörend. Die Menraths hatten 1944 ihre Heimat auf der Flucht vor den anrückenden Sowjetsoldaten und Tito-Partisanen verlassen. Mit Hilfe von donauschwäbischen Vereinen konnte in den USA der 80-jährige Walter Menrath ermittelt werden: Er war in dem genannten Haus in Novi Sad aufwachsen, brachte es später in den USA zum Universitätsprofessor, schaute nie mehr in die alte Heimat zurück, war aber jetzt bei der Eröffnung der Ausstellung in dem Ulmer Museum anwesend und bekam hier Fotos seines elterlichen Hauses zu sehen, das immer noch steht.

Das Donauländische Zentralmuseum wurde vor gut zwei Jahren eröffnet. Seitdem gibt es dort auch einen Hinweis auf den Hanfaufbereitungsbetrieb Martin Butter. Die Butters versuchten nach der Flucht in den Westen an ihrem neuen Wohnort Kirchbierlingen, Hanf anzubauen und zu verarbeiten – in großem Stil. Mit diesem Material hatten sie in der alten Heimat einen sicheren Broterwerb. Im Ulmer Museumsraum über die Integration der nach dem Dritten Reich und dem Zweiten Weltkrieg nach Süddeutschland gekommenen Donauschwaben wird auch auf die Butter‘sche Hanffabrik eingegangen. An anderer Stelle, beim Thema „Kleidung“, sind Textilien aus dem in den Westen geretteten Besitz der neu-kirchbierlingener Familien Butter und Kraus aus der einstigen Heimat Hodschak zu sehen.

Der Begleitband „Hausgeschichten“ (Format: 240 mm x 220 mm) ist bei der Edition Braus im Wächter-Verlag, Heidelberg erschienen. Er umfasst 240 Seiten mit etwa 150 Farbabbildungen und Grafiken. Das Buch kann für 20 Euro im Museum oder für 25 Euro im Buchhandel erworben werden. (ISBN: 3-89904O39-2).

Jeden Sonntag bis Ende September sind um 15 Uhr Führungen durch die Ausstellung angesetzt. – Die Ausstellung ist ab Herbst drei Jahre lang in den anderen Museumsorten der vier beteiligten Länder zu sehen.

Das Zentralmuseum ist täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

21.08.2002 | „Ehingen“: Lass die Suchmaschine surren

EHINGEN (vf / op) – Das Internet erschließt neue Horizonte. Aber wer neue Horizonte erschließt, schafft auch ein Mehr an Wahlmöglichkeiten: Die Franzosen nennen das „Behinderung durch Überangebot“. – Wir haben im Internet mittels Suchmaschine den Begriff „Ehingen“ suchen lassen und etwa achthundert Verweise festgestellt – zu viel, um sie alle in einen Zeitungsartikel zu packen und fast zu viel schon, um auf alle auch nur einzigen Blick zu werfen und die Wichtigkeit zu überprüfen. Aber auch eine Auswahl der Internet-Einträge ist nicht uninteressant.

Die Suchmaschine führt uns nicht nur in Deutschland herum, sondern auch nach Russland und in die USA.

Dr. Birgit Meerholz-Härle

Munderkingerin erforscht das Erlernen von Fremdsprachen

Gefreut haben wir uns in der Redaktion, dass wir durch unsere Internet-Suche auch auf eine interessante Munderkingerin gestoßen sind. Und das gibt gleich eine Geschichte über Umwege im Internet. Da lesen wir also, dass eine Dr. Birgit Meerholz-Härle ihr Abitur in den 80er Jahren in Ehingen ablegte, dann immerhin in den USA den Doktortitel (Ph. D.) erwarb und inzwischen an der Uni Leipzig unterrichtet und forscht. „Härle?“ – „Härle?“ fragen wir uns in der Redaktion. Das klingt nach Ehingen. Aber kein Härle in Ehingen kennt eine Birgit mit diesem Nachnamen. – Birgit Meerholz-Härle erscheint auf einer „Seite“ der Uni Leipzig mit Foto, Lebenslauf, Verzeichnis der wissenschaftlichen Schriften und Tätigkeiten, Adresse und Telefonnummer. Wir rufen an und erfahren so, dass sie aus Munderkingen stammt; ihre Mutter ist dort seit vielen Jahren Frauenbundsvorsitzende. Wir freuen uns, dass eine Munderkingerin auf der Karriereleiter aufsteigt, und wir wünschen uns, dass sie in ihr nächstes „Curriculum vitae“ (Lebenslauf) auch den Abstammungsort Munderkingen einfügt.

Eine – zunächst – unauffindbare Künstlerin

Eine in Ehingen 1959 geborene Frau war in New York künstlerisch tätig, dann wieder in Deutschland – und niemand in Ehingen weiß etwas von ihr. Kann‘s so was geben?? – Ja, es gibt’s, genauer: es gab. Bis wir in einer SZ-Ausgabe fragten; Wer kennt Helga Griffiths? – Darauf meldete sich die Gesuchte sofort, aus der Gegend von Frankfurt, wo sie heute lebt; ihre in der Heimat Sauggart lebende Schwester hatte sie auf unsere Suche hingewiesen.

 Namensregister und Stammbäume sind ein häufiger Anlass, das Wort „Ehingen“ im Internet aufzustöbern. So lesen wir beispielsweise, dass ein polnischer Bürger namens Jan Wajszczuk während des Dritten Reichs nach Ehingen deportiert wurde und hier 1948 starb. Sein Abkömmling Bruno, geboren 1946 in Ehingen, wurde später in Youngstown, Ohio, Polizist. Er hatte weitere
Geschwister, teils in Ehingen, teils in Schelklingen geboren, die in den USA groß geworden sind.

Hausen ob Allmendingen -bei Ehingen

Über das Stichwort Ehingen finden wir auch den Weg zu Ralf Leichtle aus Hausen ob Allmendingen, er nennt den Ort nämlich zusätzlich „bei Ehingen“. Ralf stellt sich im Internet als 15 Jahre alter Achtklässler der Hauptschule Allmendingen vor (inzwischen ist er 17). Wer ihn kennen lernen mochte, soll ihn einfach anrufen, notiert er.

Übers Internet erfahren wir auch, das Bernd Sommer, 1969 in Ehingen geboren, in Ulm sein Elektrotechnik-Studium mit dem Diplom abschloss und seit 96 wissenschaftlicher Mitarbeiter am „LOMI“ ist (was immer das sein mag). Ob der Eintrag noch gilt, wissen wir nicht. Ab und zu wird eine Internet-Seite so überholt wie die sprichwörtliche „Zeitung von gestern“

Wasserkäfer-Forscher an der Uni Bayreuth

Wer weiß in Ehingen schon, dass ein Professor für „Tierökologie“ an der Universität Bayreuth 1951 in Ehingen geboren wurden? – Konrad Dettner interessierte sich schon als Junge für Wasserkäfer und erforschte später Eigentümlichkeiten solcher Tiere in seiner Doktorarbeit. 1985 legte er eine Habilitationsarbeit über die chemische Abwehr bei Käfern vor. Seine wissenschaftlichen Interessen reichen aber, wie ein Blick ins Internet ergibt, weiter. Kann jemand der Redaktion sagen, was Dettner sonst noch mit Ehingen zu tun hat?

Miriam Theresia Schwabe ist ebenfalls in Ehingen geboren, 1973, und lebt inzwischen in Ulm (wenn nicht der Internet-Eintrag, wie so oft, überholt ist und nicht aktualisiert wurde). In ihrer Freizeit schreibt sie Kurzgeschichten und Gedichten.

Auf Ehingen stoßen wir auch in einer Darstellung der Bischöfe der Diözese Rottenburg. Einer von ihnen führte als Geistlicher in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts eine damals reichsweit bekannt gewordene Bewegung katholischer Priester gegen den Zölibat an – später ließ er das sein und wurde Bischof.

Wer rasch Näheres über einen aus Ehingen stammenden bedeutenden Chemiker erfahren will,  Prof. Dr. Fritz Vögtle, Bonn, hat es mit dem Internet leicht. Sein Leben wird auf einer „Seite“ der Uni Bonn ausführlich vorgestellt (die Ehinger SZ hat den Automechaniker-Sohn schon früher gewürdigt, ebenso wie den ursprünglichen Zölibatsgegner Bischof Lipp). Wer mehr über den aus Ehingen stammenden Ulmer Rechtsanwalt Gerd Lenuzza (geboren 1960) erfahren will, kann ebenfalls aufs Internet zugreifen.

Solch hübsche Hunde’

Das Internet führt, uns auch auf die Spur der Dintenhofer Hundezüchter Dagmar und Michael Klein, die im Internet Züchtungserfolge vorstellen.

Silke ist in Harvard

Aus dem Internet erfahren wir auch – wenn der Eintrag nicht überhört ist – dass die aus Ehingen stammende Silke Beck aus Ehingen derzeit in Cambridge / Massachusetts (USA) studiert. An-mailen kann man sie über eine Adresse der Harvard-Universität. Die Politikwissenschaftlerin Silke Beck steht auf einer „Site“ der Uni Bielefeld und auch der letzte (zwei Jahre alte) Nachrichtenstand Internet: „1999 – 2000 Forschungsstipendium an der Kennedy-School of Government an der Harvard-Universität.“

Die Reste eines Aufklärers

„Nachlass Johann Caspar Ruef“. Jemand, der kundig in Ehinger Heimatgeschichte ist, weiß vielleicht, dass einer der bedeutendsten Vertreter der sogenannten katholischen Aufklärung im Deutschland des 18. Jahrhunderts aus Ehingen stammte: der Zeit Schriftenherausgeber und Freiburger Uni-Professor Johann Caspar Adam Ruef (1745 – 1835). Übers Internet erfahren wir, dass eine ganze Menge „Akten“ von seiner Person und über sie existieren, im Freiburger Universitäts- Archiv. Die „Bestände“ über Ruef benötigen dort fast einen Meter Regal, aufgeteilt in hundert Einheiten. Kurz zur Person: Ruef besuchte als Jugendlicher das einstige Benediktinerkolleg in Ehingen (aus diesem Kolleg wurde das Ehinger Gymnasium). In der Universitätsstadt Freiburg gab er unter anderem aufklärungsfreundliche Zeitschriften heraus, von 1782 bis 88 den „Freymüthigen“, bis 1793 die „Beiträge zur Beförderung des ältesten  Christenthums  und der neusten Philosophie“. An dem Titel .Ältestes Christenthum“ lässt sich erkennen, dass die Aufklärung unter anderem zu einer neuen Ein- und Wertschätzung des Urchristentums führte. – Dass die Zeitschrift Ruefs 1793 ihr Erscheinen einstellte, hatte auch damit zu tun, dass nach 1789 die monarchisch regierten Länder rund um Frankreich (auch Habsburg, zu dem damals Freiburg gehörte) Aufklärung und Revolution {nicht ganz zu Unrecht) in eins setzten und bisher geduldeten oder gar geförderten Aufklärungs-Bestrebungen diese Duldung oder Förderung entzogen.

Noch eine Künstlerin

Das Internet führt uns auch zu Michaela Jakob, geboren 1967 in Ehingen, Abitur 1988 in Ehingen. Nach einer dreijährigen Tätigkeit an der Ehinger Realschule in den 1990er Jahren kümmerte sie sich um ihre Söhne, war aber auch künstlerisch tätig. Bilder von ihr waren bereits einmal in Ehingen („Die Brille“) ausgestellt. –

Auf einem Hof bei Ehingen lebt Maria Gaißmaier; sie malt und überträgt ihre Blumen-Aquarelle gern auch auf Stoffe. Den Hinweis auf M. Gaißmaier fanden wir im Internet auf der Website „Schlesisches-pfauenauge.de” Ehingen taucht im Internet auch als Thema einer Diplomarbeit an der Fachhochschule Nürtingen auf. Dort hat im Sommersemester 1998 Irmgard Härle zu diesem Thema verfasst.