(vf) – Der Schriftsteller-Verband des Landes mit Sitz in Markgröningen bietet in seiner Verbandszeitschrift „Die Feder’ einen dreimonatigen literaturbezogenen „Stadtschreiber“- Posten in Ehingen an. Bewerben dürfen sich nur Mitglieder des Verbandes. Das Ende der Bewerbungsfrist ist der 31. März. Die Bewerbungen sind zu richten an den stellvertretenden Vorsitzenden des Verbandes, Josef Hoben, der teils in Rottweil, teils im Ehinger Kolleg St. Josef wohnt.
Der künftige (literarische) Stadtschreiber kann drei Monate im Kolleg St. Josef umsonst essen und wohnen und erhält monatlich tausend Euro Ehrensold. Er muss dafür aber auch die meiste Zeit in Ehingen präsent sein, muss auf Bedarf vor Schulklassen sprechen, aus eigenen Texten öffentlich vortragen etc. Schriftstellerverbands-Vize Josef Hoben genießt selbst derzeit die Gastfreundschaft der Ehinger Kirchlichen Einrichtungen „Konvikt / Josefinum“; sein einstiger Ehinger Klassenkamerad Baumgärtner leitet die beiden Internate. Hoben weiß wohl, dass ein solcher Stadtschreiber-Posten nicht extrem begehrt ist, vor allem dann nicht, wenn so viele Bedingungen an die Zuteilung geknüpft sind wie in dem vorliegenden Ausschreibungstext. Und so schildert Hoben in der „Feder“ die Vorteile des Kollegs und der Stadt Ehingen ausführlich in den rührendsten, stellenweise auch ironischen Tönen. An Ehingen empfiehlt der Schriftsteller Hoben unter anderem „die hohe Wirtshausdichte, drei noch im Betrieb befindliche Brauereien, herbstliche Nebel, so viele Kebab-Buden wie Schlecker-Filialen, kopftuchtragende Mädchen und Frauen.“ „Legendär ist die gepfefferte Hausmacher-Schwarzwurst von Metzgermeister Götz,“ das dunkle „Rößle“-Bier, die Seelen der Bäckerei in „Bucks Höfle“, die „Freundlichkeit der meist blondgelockten Bäckerei-Verkäuferinnen schon am frühen Morgen und die urologische Abteilung des Krankenhauses.“
Metzgers Rauswurf aus Konvikt Hoben weiß auch, dass die Grünen in Ehingen einen Landesparteitag abgehalten haben und dass ihr früher prominenter Politiker Oswald Metzger, Schussenried, seine „politische Karriere nach seinem Rauswurf aus dem Ehinger Konvikt’„ begann. (Josef Hoben selbst, vom Bodensee stammend, war früher Gymnasiast und Josefinist in Ehingen und hat Erlebnisse aus dieser Zeit literarisch verwertet).
Am Kolleg, dem Wohnort eines künftigen Ehinger Stadtschreibers, rühmt Hoben unter anderem, dass das Haus immerhin über vier Klaviere verfügt. „Neben dem Direktor ist der fußballbegeisterte Hausmeister die wichtigste Person im Kolleg.“
Im Spätherbst unterhielt sich Josef Hoben mit dem Ehinger Zeitungsmacher vf; vielleicht führte dieses Gespräch und die nicht unkritische Besprechung eines der Hoben‘schen autobiografischen Romane durch vf dazu, dass Hoben in seinem Ausschreibungstext vom „äußerst literaturinteressierten und belesenen Besitzer der Schwäbischen Zeitung Ehingen“ schwärmt („Danke für die Blumen“, dees goht nadierlich naaa!). Josef Hoben weist auch schon mal darauf hin, dass vom 16. bis 18. Juli in Ehingen Schriftstellertage stattfinden. Unterstützt werden diese Tage von der Stadt Ehingen, dem Kolleg St. Josef und dann – eine recht launige Versammlung: vom „Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg, vom Friedrich-B ödecker-Kreis, von der ver.di Landesbezirksgeschäftststelle Stuttgart und dem Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart“… Veit Feger