Das hätte sich in Schelklingen wohl kaum jemand vorgestellt: Dass die Untaten deutscher Soldaten im neutralen Belgien gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs noch Wirkungen aufs Jahr 2003 haben und erinnert werden, wenn es um die so wohlgemeinte deutsche Bereitschaft geht, zur Entwicklung des durch amerikanische und europäische Konzerne ausgebeuteten Inselreichs der Philippinen beizutragen. Dass durch jene Gräueltaten zu Beginn des Ersten Weltkriegs ausgerechnet der Bürgermeistereiner kleinen oberschwäbischen Landstadt – eigentlich weit weg vom Schuss – in eine für sein Empfinden peinliche Situation im Jahr 2003 hineinrutscht, zu allem auch noch, wenn es um so etwas Ehrenwertes wie Entwicklungshilfe für einen Ort im zigtausend Kilometer entfernten Inselstaat der Philippinen geht, das hätte sich BM Knapp wohl auch nicht zu Beginn des von ihm geförderten Entwicklungshilfeprojekts gedacht.
Da holt die unselige deutsche Vergangenheit eines hemmungslosen Militarismus einen einfachen deutschen Kleinstadt-Bürgermeister ein, und er muss, weil nun mal zufällig die belgische Stadt Dinant Entwicklungshilfepartner ist, ausgerechnet in diesem Belgien ein Erinnerungsgebinde niederlegen – ein Stück unerwarteter Entwicklungshilfe für deutsche Erinnerungsfähigkeit, Entwicklungshilfe nicht für die armen Philippinen, sondern für erinnerungsunfähige deutsche Köpfe.
Andererseits darf man fragen: Erinnern sich die Belgier so genau wie im Fall “Dinant” an das, was ihre eigenen Bürger und Soldaten vor hundert und weniger Jahren im Kongo angerichtet haben und was inzwischen ebenfalls ganz deutlich und ganz präzis nachgewiesen ist?? Aber: Alle Bösartigkeiten und Infamien der belgischen Kolonialpolitik im Kongo können die “Arbeit* deutscher Soldaten in Belgien (übrigens licht nur während des ersten, sondern auch während des zweiten Veitkriegs) nicht ungeschehen mähen. Und wenn die Belgier sich an »re spezielle .Arbeit’ im Kongo nicht erinnern wollen, bleibt den deutschen die sie selbst betreffe Erinnerungsarbeit trotzdem nicht erspart.